„Ich bin zu 100% Leichtathlet" - Enrico Güntert vor den BW Leichtathletik Hallen-Finals
Von der Tartanbahn in den Eiskanal
Der Weg von der 100-Meter-Sprintbahn in den Eiskanal wirkt auf den ersten Blick ungewöhnlich. Für Enrico Güntert (TV Engen) war er jedoch sowohl sportlich als auch mental eine echte Chance. Nach einer langen Verletzungs- und Krankheitsphase stand der Sprinter vor der Herausforderung, seinen großen Traum von den Olympischen Spielen 2028 in Los Angeles neu auszurichten. Genau in dieser Phase erhielt Güntert das Angebot, als Anschieber Teil eines schweizer Bob-Teams für die Winter-Olympia 2026 zu werden. Nun ist dieser Traum leider geplatzt, Güntert wurde im Aufgebot trotz erfolgreicher Tests nicht berücksichtigt. Dieser Umstand wiederum sichert seine Teilnahme bei den BW Leichtathletik Hallen-Finals für den TV Engen, dessen Trikot er seit gut fünf Jahren bei Wettkämpfen in Deutschland trägt.
Neue Perspektive
Da die Olympiaqualifikation mit der Sprintstaffel für Paris 2024 nur knapp verpasst worden war, eröffnete sich für den WM-Staffel-Elften im Sprint eine neue Perspektive: den olympischen Traum bereits früher wieder anzugreifen. Güntert sagte zu. Wissend, dass dieser Schritt Mut, Anpassungsfähigkeit und großes Vertrauen in die eigene Athletik verlangt.
Trotz der erfolgreichen Zeit im Eiskanal ist seine sportliche Identität eindeutig. „Ich bin zu 100 Prozent Leichtathlet und werde das immer bleiben“, stellt Güntert klar. Die Erfahrungen aus dem Bobsport haben ihm wertvolle Impulse geliefert, doch das große Ziel bleibt Los Angeles 2028. Der Abstecher auf das Eis war kein Abschied von der Leichtathletik, sondern ein bewusst gewählter Umweg.
Zwei olympische Träume – eine klare Ausrichtung
Die Doppelbelastung aus zwei olympischen Disziplinen erwies sich für Enrico Güntert in einer schwierigen Phase eher als Segen denn als Fluch. Der Winter 2026 gehörte ganz dem Bobsport wohl wissend, dass athletisch nicht jedes Detail sprintoptimiert sein konnte. Gleichzeitig nahm dieser Weg Druck aus dem unmittelbaren Comeback auf der Bahn: neue Erfahrungen sammeln, den Körper wieder auf Topniveau bringen und sich ohne direkten Vergleich zur nationalen Sprintelite neu aufbauen.
Ab Sommer 2026 soll der Fokus wieder vollständig auf die Leichtathletik gerichtet werden mit dem klaren Ziel, national und international erneut anzugreifen.
Comeback-Qualitäten und mentale Stärke
Was Enrico Güntert immer wieder zurück an die Spitze bringt, ist weniger permanente mentale Stärke als vielmehr die Fähigkeit, auch in schwierigen Phasen dranzubleiben. „Immer mental stark sein geht nicht“, sagt er offen. Entscheidend sei, dennoch weiterzumachen und alles zu investieren. Neben seinem eigenen Ehrgeiz und Sturkopf spielt dabei vor allem sein Umfeld eine zentrale Rolle. Sportlich wie familiär sieht sich Güntert bestens unterstützt. Eine wichtige Grundlage, um Rückschläge zu verarbeiten und gestärkt zurückzukommen.
Sprintkraft auf dem Eis
Athletisch verbindet der Bobsport vieles mit dem Sprint – und doch unterscheidet er sich in entscheidenden Details. Enrico Güntert konnte seine Explosivität und Startqualitäten jedoch nahezu nahtlos auf das Eis übertragen. Große Anpassungen waren kaum nötig, lediglich ein etwas höheres Körpergewicht kam hinzu. Der Erfolg gibt ihm recht: Als Schweizer Meister im Bob unterstrich Güntert seine außergewöhnliche physische Anpassungsfähigkeit.
Bei den BW Leichtathletik Hallen-Finals am kommenden Wochenende wird Enrico Güntert zeigen, wie wertvoll die Erfahrungen aus dem Eiskanal für seine Rückkehr auf die Tartanbahn sind. Die Finals markieren damit nicht nur einen wichtigen Wettkampf, sondern auch den nächsten sichtbaren Schritt auf seinem Weg zurück an die nationale Spitze – mit dem großen Ziel Los Angeles 2028 fest im Blick.