Anna Hiesinger: Mit DM-Silber und Bestleistung zur U20-WM

  29.07.2026    WLV Top-News WLV Wettkampf BW-Leichtathletik Top-News BW-Leichtathletik Wettkampfsport
Ein Höhenflug der Extraklasse: Mit übersprungenen 4,40 Metern schraubte Stabhochspringerin Anna Hiesinger (LAZ Ludwigsburg) ihre persönliche Bestleistung in Hannover im Rahmen der DM Aktiven 2026 gleich um 20 Zentimeter nach oben. Wie die deutsche U20- und U23-Meisterin den Druck nach ihrer schweren Knieverletzung abgelegt hat und warum Vertrauen in den eigenen Körper für sie der Schlüssel zum Erfolg ist, verrät sie hier.

Du hast bei der DM nicht nur die Silbermedaille gewonnen, sondern deine persönliche Bestleistung gleich um 20 Zentimeter auf 4,40 Meter gesteigert. Was ging dir in diesem Moment durch den Kopf?

Anna Hiesinger: Ich war in dem Moment einfach unglaublich stolz auf mich und meinen Körper und habe an alle Leute gedacht, die mich auf dem Weg unterstützt haben. Ich habe mich unfassbar gefreut, dass ich es geschafft habe, mein Können wirklich zu zeigen und das, was ich im Training abrufen kann, endlich in Höhe umzusetzen. Vor allem war ich stolz darauf, was mein Körper wieder leisten kann und dass mein Knie wieder so stabil und gesund ist.

Nach deinem Sprung über 4,30 Meter war die Freude schon riesig. Wann hast du gemerkt, dass an diesem Tag sogar noch mehr möglich ist?

Ich habe schon am Tag davor und auch in den Trainingswochen zuvor gemerkt, dass extrem viel möglich ist. Alles hat viel besser zusammengespielt, ich bin besser ins Training reingekommen und war auch mental auf einem ganz anderen Level. Da wusste ich eigentlich schon: Wenn ich genau da dranbleibe, kann es richtig gut werden.

Du bist in dieser Saison in bestechender Form. Hast du in deinem Training oder deiner Vorbereitung etwas verändert, das diesen Leistungssprung erklärt?

Die Vorbereitung auf die Saison hat vor allem im Techniktraining gar nicht so gut angefangen. Aber wir sind einfach drangeblieben. Ich habe genauso konsequent weiter trainiert wie sonst. Es hat vielleicht einfach noch ein bisschen Zeit gebraucht, aber am Ende hat sich die Geduld und die Arbeit ausgezahlt.

Mit der U20-WM in Eugene steht schon das nächste große Highlight bevor. Mit welchen Erwartungen und Zielen reist du in die USA?

Mein Ziel ist es einfach, das Beste aus dem Tag herauszuholen: eine sichere Qualifikation zu springen und dann im Finale mein bestes Können zu zeigen. Ich habe diese innere Sicherheit, dass ich ganz vorne mitspringen kann, wenn mir das gelingt. Deshalb möchte ich einfach das Maximum aus mir herausholen. Und natürlich ist da auch der Traum von einer Medaille – denn ich weiß, dass es nicht unmöglich ist.

Wie sieht eine typische Trainingswoche bei dir aus? Welche Einheiten sind für dich als Stabhochspringerin besonders wichtig?

Wir machen in der Woche ein- bis zweimal Techniktraining – wenn keine Wettkämpfe anstehen, zweimal. Dazu kommen zwei Krafteinheiten, Sprinteinheiten, Übungen am Reck, plyometrische Elemente und auch Sachen wie Weitsprung. Es ist also sehr vielfältig. Der Hauptfokus liegt aber natürlich auf den Technikeinheiten: Da muss man einfach voll da und fit sein, um jeden Sprung mit guter Technik und voller Konzentration durchzuziehen.

Gibt es vor einem Wettkampf ein festes Ritual oder eine Routine, die dir hilft, fokussiert und locker zu bleiben?

Vor dem Wettkampf höre ich sehr gerne Musik, während ich mir die Haare mache und mich fertig mache. Das ist für mich genau der Punkt, an dem ich in meine Zone komme und in den Wettkampfmodus schalte. Es hilft mir einfach extrem, meinen Fokus zu finden.

Jeder Spitzensportler erlebt Rückschläge. Gab es in deiner bisherigen Karriere einen Moment, der dich besonders geprägt hat und aus dem du viel mitgenommen hast?

Der Kreuzbandriss im Februar letzten Jahres hat mich unglaublich geprägt und mich mental auf ein ganz neues Niveau gebracht. Ich habe dadurch gelernt, viel besser auf meinen Körper zu hören, gnädiger mit ihm umzugehen und das, was ich tue, wieder viel mehr zu schätzen. Ich glaube, ich bin dadurch eine deutlich eigenständigere Athletin geworden. Es war eine wirklich schwere Zeit für mich, aber rückblickend hat sie mich extrem weit gebracht und als Sportlerin geformt.

Viele junge Leichtathletinnen und Leichtathleten schauen inzwischen zu dir auf. Welchen Rat würdest du ihnen mit auf den Weg geben?

Gerade im Hinblick darauf, was ich durch meine Verletzung gelernt habe, würde ich den Rat geben: Sei gnädig zu deinem Körper und hör auf ihn. Ein gesunder Körper ist das absolut Essenzielle. Wenn man dann noch mit Spaß, Freude und so viel Liebe und Leidenschaft wie möglich an den Sport herangeht, kommt meiner Meinung nach auch das Bestmögliche dabei heraus.

Wenn du deinen bisherigen Erfolg auf einen entscheidenden Faktor zurückführen müsstest – was ist dein persönliches Erfolgsgeheimnis?

Das ist eine schwierige Frage, weil da extrem viele Faktoren zusammenspielen. Grundsätzlich bin ich eine sehr lockere und unbeschwerte Persönlichkeit. Ich nehme den Sport zwar sehr ernst und möchte immer gewinnen, aber es ist super wichtig, den Spaß und die Freude nicht zu verlieren. Man muss den Prozess des Trainings und das Vorankommen einfach lieben. Wenn man das tut, stellt sich der große Erfolg fast von alleine ein.

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