EM Tag 3: Stepanov verkauft sich teuer, Neugebauer übernachtet auf Rang 1
800 Meter | Halbfinals: Alexander Stepanov verkauft sich teuer
Der jüngste Starter in den 800-Meter-Halbfinals stand im ersten Rennen vor einer Mammutaufgabe: Schließlich hatte Alexander Stepanov (VfL Sindelfingen) nicht nur die langsamste Saisonbestzeit aller Mittelstreckler aufzuweisen, sondern musste auch auf der ungünstigen Innenbahn ins Rennen starten. Entsprechend lag er, als es in der zweiten Runde in die Startkurve ging, in einer schwierigen Position.
Doch der Deutsche Meister ließ sich davon – und einem Ausbremsen durch Max Burgin (Großbritannien) – nicht aus der Ruhe bringen und suchte seine Chance auf der Zielgeraden. Doch an die drei Ersten, die sich direkt für das Finale qualifizierten, kam der 21-Jährige nicht mehr heran. Mit 1:45,46 Minuten lief der Sindelfinger auf Platz fünf und sicherte sich zwischenzeitlich das kleine „q“, das für den Finaleinzug berechtigt. Den Sieg sicherte sich Max Burgin mit 1:44,73 Minuten.
Doch wenige Minuten später war klar, dass es für den auf dem „Hot Seat“ sitzenden Sindelfinger nicht reichen sollte. Im zweiten Halbfinale wurde die erste Runde etwa eine Sekunde schnell absolviert als im ersten. Denn die acht Läufer waren sich einig, dass fünf von ihnen ins Finale laufen sollten. Das taten sie auch. Mark English (Irland), Europas Nummer eins und mittlerweile Doktor der Medizin, stürmte auf der Zielgeraden auf und davon und mit 1:43,49 Minuten zum neuen Meisterschaftsrekord. Die ersten vier Läufer blieben unter der Bestmarke des Potsdamer Olaf Beyer, der 1978 in Prag triumphiert hatte. Der fünftplatzierte Francesco Pernici (Italien) stellte mit 1:43,84 Minuten die Beyer-Bestmarke exakt ein.
Alexander Stepanov (VfL Sindelfingen):
„Taktisch war das Rennen durch die Innenbahn schwierig, aber insgesamt so, wie ich es mir vorgestellt habe. Leider bin ich bei 600 Metern aus dem Tritt gekommen, als mich Max Burgin etwas geschnitten hat. Auf der Zielgeraden habe ich noch einmal alles probiert, bin ausgeschert, um noch um Rang drei zu kämpfen. Aber die anderen sind natürlich auch schnell, speziell in der Schnelligkeitsausdauer bin ich noch nicht so weit. Daran werde ich in den kommenden Jahren arbeiten. Ich bin mit 21 Jahren zwei gute Rennen gelaufen und war schnellster U23-Teilnehmer. Das nehme ich mit für die Zukunft.“
Zehnkampf Tag 1
100 Meter: Leo Neugebauer solide
Unter dem Applaus der vielen deutschen Fans wurden am Mittwochvormittag die Zehnkämpfer im Alexander Stadium begrüßt. Im schnellsten der drei Rennen waren Weltmeister Leo Neugebauer (VfB Stuttgart) und Youngster Amadeus Gräber (Eintracht Frankfurt) dabei. Auf der Außenbahn fand Leo Neugebauer nicht richtig ins Rennen, konnte aber mit 10,90 Sekunden noch eine solide Zeit erzielen. Damit belegte der Olympia-Zweite Rang sieben.
Weitsprung: Leo Neugebauer übernimmt die Führung
Das deutsche Zehnkampf-Trio erwischte einen optimalen Start in die zweite Disziplin. Allen drei gelangen gültige Versuche, dabei verschenkten sie nur wenige Zentimeter am Brett. Den besten Sprung legte Leo Neugebauer zum Auftakt hin. Der Weltmeister flog auf 7,61 Meter und übernahm damit zwischenzeitlich die Führung im Wettbewerb. Nach einem ungültigen zweiten Sprung legte er bei frischem Gegenwind (-2,0 m/sec) alles in den dritten Versuch, den er am Brett optimal erwischte, und jubelte wenige Sekunden später über 7,82 Meter. Diese Weite sollte kein Konkurrent mehr übertreffen.
Kugelstoß: Neugebauer stößt Meisterschaftsbestleistung
Im Kugelstoßring war Leo Neugebauer eine Klasse für sich. Im zweiten Durchgang beförderte der Weltmeister sein 7,26 Kilogramm schweres Arbeitsgerät auf 17,13 Meter – und damit weiter als jeder andere Zehnkämpfer bei Europameisterschaften zuvor. Die Bestmarke des Frankfurters Pascal Behrenbruch von dessen EM-Triumph 2012 in Helsinki steigert er um 24 Zentimeter. Damit baute der Olympia-Zweite seinen Vorsprung in der Gesamtwertung natürlich deutlich aus.
Hochsprung: Ordentliche 1,99 Meter für Leo Neugebauer
Für Leo Neugebauer waren die 2,02 Meter am Mittwochabend zu hoch. Er meisterte 1,99 Meter und lieferte damit die nächste ordentliche Leistung auf dem Weg zu einem guten Zehnkampf ab. Leo Neugebauer hatte bei seinem Sieg in Ratingen 1,97 Meter übersprungen, in Götzis vier Wochen zuvor allerdings 2,06 Meter.
400 Meter: Mutige Renngestaltung und schwere Beine
Sehr zügig ging Leo Neugebauer das abschließende 400-Meter-Rennen an, führte das Feld nach 200 Meter an. Doch in den letzten 60 Metern schoss das Laktat sichtbar in die Beine und er rettete sich als Lauf-Letzter ins Ziel. Mit 48,81 Sekunden blieb er knapp eine Sekunde über seiner Saisonbestleistung von 47,85 Sekunden. „Alles in allem war das ein solider erster Wettkampftag“, sagte er zum Abschluss. „Besonders Spaß gemacht hat, dass ich mal wieder über 17 Meter gestoßen habe. Das war die Bestätigung dafür, dass sich das Training hier ausgezahlt hat.“
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